Mozartweisen auf der Schalmei (Zeichnung von Anakreon)

Ein Autor in der Tradition des alten Österreichs
Fritz von Herzmanovsky-Orlando. Schon in seinem Namen vereinen sich drei wichtige Bestandteile der Habsburger Monarchie: die deutsche, slawische und italienische Kultur. Zu seinen Vorfahren zählten angeblich Kreuzfahrer, die es von Griechenland nach Italien verschlagen hatte; väterlicherseits reichen die Wurzeln nach Wien und Mähren, mütterlicherseits nach Italien und Byzanz.
1877 wurde FHO in Wien als Sohn eines Beamten geboren, studierte Architektur und arbeitete einige Jahre bei einer Kulturbehörde und später in einem Ingenieurbüro. Mitten im 1.Weltkrieg zog er sich mit knapp 40 Jahren aus dem Beruf zurück und ließ sich in Meran nieder. Er trieb esoterische Forschungen über okkulte Phänomene, las nicht die sogenannte „hohe Literatur“, sondern interessierte sich vielmehr für Reisebeschreibungen und Witzblätter, befasste sich darüber hinaus mit Ortsnamenskunde und Heraldik. Er unternahm ausgedehnte Reisen, sammelte Grafiken und Bilder, außerdem zeichnete und malte er selbst – und nicht zuletzt schrieb er eine ganze Reihe skurrilen Romanen, Erzählungen und Komödien.

Vor fast 100 Jahren erscheint sein erster Roman
1928 erschien sein Debutroman „Der Gaulschreck im Rosennetz“, der allein im Titel schon aufhorchen ließ. Einer der begeistertsten Leser war Karl Wolfskehl, der Polyhistor in allen Fragen der Kunst und Literatur. In einem Brief an den Autor lobte er dessen neuen, unverwechselbaren Ton unter anderem mit den Worten, von Herzmanovsky-Orlando habe „ein krauses und grausliches Gemisch-Gemasch aus Tragant, Schlafrock-Absud, Tintenrestern oder odeur de Nutte“ präsentiert, das ihm nicht mehr aus „den zuckenden Nüstern“ gehe. Dieser Kurzroman ist das einzige Werk, das zu Lebzeiten des Autors in den Buchhandel gelangte. Noch wichtiger als der rührige Wolfskehl ist Friedrich Torberg, den auch viele der Generation 60 Plus noch als Übersetzer der Erzählungen von Ephraim Kishon kennengelernt haben. Ihm ist es zu danken, dass FHO heute im Pantheon der Literaturgeschichte seinen Platz gefunden hat, wenn auch als skurriler Außenseiter. 1935 war der damals 27-jährige Torberg (seit seinem Debutroman „Der Schüler Gerber hat absolviert“ (1930) selbst ein allseits bewundertes Nachwuchstalent) mit Herzmanovsky in Kontakt gekommen. Torberg war auf der Stelle von dem älteren, aber erfolglosen Kollegen beeindruckt und versuchte ihn, zu dessen „ersten und aufrichtigsten Bewunderern“ er sich zählte, einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. 1938 musste er als Jude über Prag fliehen und erst nach der Rückkehr gelang es Torberg, den kauzig-sperrigen FHO bekannt zu machen, wenngleich in der Rolle eines kuriosen Außenseiters.
Wenn heutzutage zehn bedeutende österreichische Autoren genannt werden, dürfte der Name Fritz von Herzmanovsky-Orlando dazugehören. Das ist das große Verdienst des Friedrich Torberg.

Die Handlung spielt im Wien des 19. Jahrhunderts
In dieser grotesk-komischen Geschichte aus dem Wien im frühen 19.Jahrhundert steht ein Hofsekretär im Mittelpunkt, der seinen patriotischen Lebenszweck unter anderem darin sieht, dem Kaiser Franz zum 25-jährigen Thronjubiläum ein Geschenk anzufertigen: ein Tableau, auf dem diese Zahl kunstvoll aus 25 Milchzähnen arrangiert prangen soll. In dem kuriosen Hofbediensteten, der sich standesgemäß Jaromir Edler von Eynhuf schreibt, dürfte FHO viel von seinen eigenen Schrullen und seiner Exzentrik verewigt haben. Das Ganze spielt sich also in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts während der Regentschaft Kaisers Franz I. in Wien ab. Man darf hier aber keinen historischen Roman, keine recherchierte Geschichte der biedermeierlichen Donaumonarchie im Übergang zum Vormärz erwarten. Was der Autor vielmehr bietet, ist eine üppig-bunte Fantasiewelt, die von wunderlichen und bizarren Gestalten bevölkert ist. Augenzwinkernd lässt der Autor vor dem geistigen Auge des erstaunten Lesers immer neue drall-komische Handlungen aufschäumen, in die allerlei verwirrende Nebenhandlungen eingeflochten werden. So stellt er den Wiener Zuckerbäcker Friedrich Knecht vor, der seinen Broterwerb stets in ein weißes Schäferkostüm gekleidet ausübt und auf einer Schalmei Weisen von Wolfgang Amadeus Mozart „voll anmuthiger Neckerei zu dudeln pflegte.“

Von Hofzwergen und Beamten
Der Hofsekretär Jaromir Edler von Eynhuf hat eine wichtige Funktion im kaiserlichen Hoftrommeldepot, im Sommer auch beim kaiserlichen Obersthofsilberlöffelbewahrer von Kärnten und der windischen Mark [im heutigen Slowenien].
Als Hofbeamter wohnt er im Kleinen Querulantenhaus. Zefesis Zumpi, der pensionierte kaiserliche Hofzwerg, erwartet von ihm, dass er endlich um die Hand seiner 42-jährigen Tochter Crispine anhält. So beginnt der Roman mit dem schrulligen Auftritt ebendieser Gestalten: “Es war ein wunderlicher Zug, der sich durch den lind rieselnden Schnee vom Kärthnerthortheater herbewegte. Voran schritt, von seiner baumlangen, dürren Gattin sorgsam an der Hand geführt, der kaiserliche Hofzwerg im Ruhestande Zefises Zumpi, hinter ihm seine zwei ältlichen Töchter, von der Natur mit nur kümmerlichen Reizen bedachte Mädchen, und mit ihnen als Cavalier ein lang aufgeschossener Herr in steifer, würdevoller Haltung, der Hofsekretär Jaromir Edler von Eynhuf.“
Gleichwohl wäre die Ehe keine schlechte Partie für Jaromir. Crispine mag zwar genauso wenig attraktiv wie ihre Schwester wirken, aber Zephesis Zumpi gehört noch immer das Elternhaus in Krumnußbaum und die Töchter können davon ausgehen, eines Tages den kinderlosen Bruder und die unverheiratete Schwester ihres Vaters zu beerben. Der Onkel führt in Krumnußbaum eine Ohrlöffelschmiede, während die Tante mit ihrer Ziehtochter Barbara Wispel einem eigenen Haus in Krems vorsteht. Weil Crispine sich allerdings von Jaromir nicht entsprechend umschmeichelt fühlt, wird sie nicht müde, den Kammersänger Czwaczek zu preisen, der ihr mit „schmelzendem Jubel in der Stimme ans Herz gegriffen“ habe, zumal Jaromir offen für die Sängerin Höllteufel schwärmt. Auch sonst ist er ein empfindsamer Geist, der sich insbesondere für das Kaiserhaus erwärmt.

Die Milchzahnsammlung
So hat er daher schon vor Jahren gleißenden Entschluss gefasst, Kaiser Franz 1829 zum 25. Thronjubiläum die besagte Milchzahnsammlung zu überreichen. Inzwischen besitzt er 24 dieser Trophäen, die er wie Edelsteine auf feinem Samt im Geheimen aufbewahrt. Es fehlt also nur noch der letzte Milchzahn, der die Sammlung der 25 komplett zu machen. Als Spenderin dieser edlen Gabe rechnet Jaromir insgeheim mit der Sängerin Höllteufel, die zur Zeit frenetisch gefeiert dem Höhepunkt ihrer Karriere entgegenzugehen scheint. Jaromir ist felsenfest davon überzeugt, dass sie tatsächlich ihre Milchzähne aufbewahrt hat, „…denn welches Mädchen aus besserem Hause- und die Höllteufel war aus besserem Hause, wie er aus den ihm zugänglichen Polizeiakten entnommen hatte – pflegt nicht einige ihrer Milchzähne in Seidenpapier aufzubewahren?“ Doch der Hofsekretär hat Skrupel, die berühmte Sängerin einfach so anzusprechen, man könnte einen plumpen Annäherungsversuch wittern. Seine eigene Karriere möchte er keinesfalls aufs Spiel setzen. Doch es ist Karneval. Jaromir könnte sich auf einem Faschingsball maskiert die Künstlerin dezent ansprechen. In den tollen Tagen ist man doch in Fragen der Moral etwas großzügigger. Also lässt sich Jaromir auf Anraten des erfahrenen Lebemanns Rochus Großkopf Schmetterlingsflügel anfertigen und die dazu passende Verkleidung als Schwalbenschwanz. In diesem Aufzug sorgt er im Apollosaal für kein geringes Aufsehen. Die Höllteufel freilich ist nicht erbaut von seiner Erscheinung und dem strengen Geruch nach frischem Leim, der sein Gestell umweht und ihm wahrlich das Aussehen eines echten Irren verleiht, schon gar, als er ihr sein wunderliches Ansinnen unterbreitet. Enttäuscht von ihrer Abfuhr lässt Jaromir die Flügel hängen und verlässt den Saal.

Der Gaulschreck im Rosennetz
Draußen erfasst ein Windstoß unversehens seine Flügel, und er kreiselt hilflos durchs Büsche und Hecken. Pferde scheuen wiehernd und gehen panisch durch. „Die atemlos herbeigeeilte Wache klaubte ihn vom Gesträuch und brachte den vor Kälte und Aufregung zitternden Festgast in die Wachstube. ‚Melde gehörsamst‘, berichtete der Wachmann; ‚ein nächtlicher Ruhestörer!‘“
Jaromir verfällt in Schwermut und traut sich kaum mehr vor die Tür, aus Angst, als der von den Zeitungen titulierte „Gaulschreck von Mariahilf und der oberen Laimgruben“ erkannt zu werden. Überdies hat er sich unsterblich in die Höllteufel verliebt und sieht als einzigen Ausweg aus dieser misslichen Situation die Heirat mit ihr. Gewiss, bei all ihren Meriten eine Mesalliance, denkt er an seine sittenstrenge Familie, die auf Pferden so gut reitet wie auf Prinzipien und ihr teils kümmerliches Los doch mit einer vornehmen Schäbigkeit zu tragen weiß. Mit dem gemeinen Volk will man in diesen Kreisen nichts zu tun haben. So ist auch Jaromir voller Verachtung für die barocke Lebensfreude um ihm herum, wenn „an ordinär gedeckten Tischen bei flackernden Windlichtern fröhliches Volk unter lärmender Heiterkeit tafelte, wo man durch offene Fenster in die fettprasselnde Küche mit ihren hochroten, schwitzenden Mägden und dickbusigen Köchinnen sehen konnte“. Er selbst sieht sich als Bewohner lichterer Gefilde und die Sängerin an seiner Seite. Getrieben von heiligen Gefühlen sucht Jaromir die Höllteufel schließlich in ihrer Wohnung auf. Sie erkennt ihn als den verwirrten Schmetterling vom Faschingsball und lehnt seinen Heiratsantrat amüsiert ab. Jaromir hat keine Wahl, als den schmachvollen Rückzug anzutreten. „Knapp und höflich verbeugte er sich – die Höllteufel knixte hinter ihm und wies ihm eine lange Nase, als er steif wie die Leiche eines Gehängten das Zimmer verließ.“ Zerfressen vor Eifersucht versucht er ihr beständig nahe zu sein und ihren Alltag zu überwachen. Dazu wählt er pittoreske Verkleidungen, etwa als türkischer Zuckerwarenverkäufer mit ausladendem Turban oder als „Slowak“ mit einem Korb voll Holzwaren. Dabei beweist er selbst schlummernde schauspielerische Fähigkeiten, wenn er dazu ruft:“ Gulöffel [Kochlöffel] kafts, Spilalei, helzerna Steggferd was frißte nix, Lauskampl [Läusekäme], Gurkahackl [Gurkenhobel]…“ Auch in der Rolle eines fliegenden Mehlwurmhändlers belagert er ihre Wohnung, um einen Blick auf die Angebetete zu erhaschen – und auf diejenigen, mit denen sie Umgang pflegt.

Die Kräuterfrauen wissen Rat

Bei diesen Umtrieben ertappt ihn unversehens Rochus Großkopf. Als erfahrener Herzensbrecher gibt er ihm den Rat, sich von der Hebamme Funzengruber einen „Liebestrank sieden“ zu lassen. Er garantiert ihm die Wirkung ihrer Essenzen. „Hab erst unlängst an lieben alten Freund in Horn zwei Maßflaschen zugeschanzt – 75 Jahr ist er…“ Und Großkopf weiß auch Rat, wie Jaromir die Angebetete dazu bringen kann, von dem Gebräu zu trinken: Er soll ihre Zofe anködern und sie dazu bringen, der Höllteufel ein paar Tropfen Liebestrank in den Kaffee zu rühren. Jaromir sucht die Hebamme in einem der verruchtesten Viertel Wiens, wo Huren, Ganoven und Lumpengesindel hausen, also auf. Die Alte erklärt sich gleich bereit zu helfen, warnt ihn aber, das Ganze sei nicht eben billig zu haben. Schließlich müsse sie nicht nur einen Trank zubereiten, sondern diesen noch durch einen Nonnenschleier durchseihen und ihn vier Wochen lang im Keller mazerieren lassen. Richtig teuer werde es aber dadurch, dass man für das Herdfeuer nur morsche Bretter von Selbstmördersärgen, mit getrockneten schwarzen Pudelschwänzen gemischt, verwenden dürfe. Ratsam sei überdies, den Kot einer weißen Taube beizumischen. Doch der geplante Anschlag auf die Sängerin schlägt fehl. Eynhuf, der sich schon auf der Hochzeitsreise nach Italien mit seiner Angebeteten sah, „..durch marmorne Städte voll flatternder Tauben, durch Haine, in denen Orangen dufteten und kunstreiche Wasser sprangen, geschmückte Maulesel klingelten, und wo über fackelbeleuchteten Plätzen, neben dunklen Säulenhallen und ehernen Götterbildern buntröckige Seiltänzer ihre Künste zeigten.“

Tragisches Ende eines Schwärmers
Wie eine Seifenblase ist alles zerplatzt. Doch Großkopf weiß Rat und schickt Jaromir aufs neue zu der alten Kräuterhexe, denn die könne ihm ein Mädchen zu beschaffen, das noch Milchzähne habe, die sie sich an einer vergoldeten Weihnachtsnuss ausbeißen könne. Tatsächlich ruft die Funzengruber kurz darauf ein Mädchen herbei. Der Backfisch ist zwar willens, seine Milchzähne zu blecken, möchte aber nicht auf die goldene Nuss beißen. Jaromir schiebt ihr die Nuss deshalb gewaltsam zwischen die Zähne, ruft laut „für Kaiser und Vaterland!“ und haut er ihr auf den Kopf, so dass sie wie ein gewaltiger Nussknacker zubeißt. Gierig klaubt er den blutigen Schneidezahn vom Boden. Da plötzlich reißen Polizisten polternd die Tür auf. Jaromir Edler von Eynhuf stürzt in heilloser Flucht davon. Zu Hause nimmt er eine Pistole, doch er „…fand keine Kugel, raffte die Milchzähne mit zitternden Händen alle zusammen und stopfte sie…in den Lauf…dann ein donnernder Knall…Nieder sank er. Blutüberströmt…So endete das hoffnungsvolle Leben eines correcten Beamten, Fußwaschungspfeifers und wirren Amanten.“
Blühender Blödsinn mit Tiefgang und einer sprachlichen Raffinesse, wie man sie heutigentags kaum mehr findet, noch dazu mit zahlreichen Illustrationen des Autors versehen. Ein Lesevergnügen der ganz besonderen Art!

Weitere Buchtipps:

Buchtipp: Domenico Starnone, Auf immer verbunden. Lacci

Buchtipp: P.D. James, Im Saal der Mörder. The Murder Room

Buchtipp: P.D. James, Im Saal der Mörder. The Murder Room

Buchtipp: Antonio Muñoz Molina, Siesta mit Blanca. En Ausencia de Blanca

Buchtipp: Helga Schubert, Vom Aufstehen

Buchtipp: Helga Schubert, Vom Aufstehen

Buchtipp: Romain Gary, Frühes Versprechen. La promesse de l’aube.

Buchtipp: Domenico Starnone, Auf immer verbunden. Lacci


https://begeistert60plus.de/markus-werner-am-hang/
https://begeistert60plus.de/jeannette-walls-schloss-aus-glas/
https://begeistert60plus.de/gavino-ledda-mein-vater-mein-herr/
https://begeistert60plus.de/margaret-mazzantini-geh-nicht-fort/

Buchtipp: Siri Hustvedt, Der Sommer ohne Männer. Summer without Men

Buchtipp: Anna Wimschneider, Herbstmilch.

Buchtipp: Theodor Fontane, Unterm Birnbaum

Buchtipp: Arno Schmidt, Aus dem Leben eines Fauns

Buchtipp: Epikur, Die Philosophie der Freude

Buchtipp: Eine blassblaue Frauenschrift

Buchtipp: Angela Carter, Wie’s uns gefällt. Wise Children


https://begeistert60plus.de/buchtipp-alfred-andersch-der-vater-eines-moerders/

Buchtipp: Julian Barnes, Metroland

Buchtipp: Dimitri Verhulst, Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau

Buchtipp: P.D. James, Im Saal der Mörder. The Murder Room

Buchtipp: Pilippe Delerm, Ein Croissant am Morgen. La Première gorgée de bière

Buchtipp: Ian McEwan, Am Strand. On Chesil Beach

Buchtipp: Isabel Allende, Was wir Frauen wollen. Mujeres del alma mía

Buchtipp: Der Gaulschreck im Rosennetz

Buchtipp: Helga Schubert, Vom Aufstehen

Buchtipp: Jan Koneffke, Die Tsantsa-Memoiren

Buchtipp: Grazia Deledda, Cosima.

Buchtipp: P.D. James, Im Saal der Mörder. The Murder Room


Über den Autor ANAKREON

Teile deine Gedanken

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. erforderliche Felder sind markiert

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Erich Mühsam (Zeichnung von Anakreon) Heute jährt sich zum 90sten Mal ein Jahrestag, auf den man gerne verzichten möchte: der gewaltsame Tod von Erich Mühsam im KZ Oranienburg am 10. Juli 1934. Es geschah in einer Zeit, in der das Schreckensregime der Nazis zwar schon fest etabliert, aber doch noch auf seinen internationalen Ruf bedacht

Weiterlesen

Der Autor Christoph Hein wurde am 08.04.1944 im schlesischen Heinzendorf im heutigen Polen geboren. Nach der Vertreibung wuchs in einer sächsischen Kleinstadt auf. Als Sohn eines Pfarrers blieb ihm die DDR-Oberschule versperrt, und er besuchte daher von 1958 bis 1960 ein Westberliner Gymnasium. 1960 zog er nach Ostberlin, musste aber wegen des Baus der Mauer

Weiterlesen

Jeannette Walls wurde 1960 in Phoenix/Arizona geboren. Sie studierte am renommierten Bernard College in New York, das allein Frauen vorbehalten ist. Danach wurde sie bekannt als Journalistin und Fernsehmoderatorin. Nachdem sie mit Buchpublikationen großen Erfolg hatte, hat sie sich seit 2007 nur noch aufs Schreiben verlegt. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann auf einer großen,

Weiterlesen

Gavino Ledda kann auf eine wahrlich außergewöhnlichen Lebensgeschichte zurückblicken. Als Analphabet völlig bildungsfern als Hirte in den Bergen Sardiniens aufgewachsen, lernte er erst während seiner Militärzeit korrekt Italienisch sowie Lesen und Schreiben. Es war ein Glücksfall, das einer seiner Kameraden der spätere Schriftsteller Franco Manescalchi war, der ihn nach Kräften unterstützte, so dass er an

Weiterlesen

Irgard Keun in den 1920er Jahren Das kunstseidene Mädchen spielt in den letzten Jahren der Weimarer Republik und erfreut sich heute als Schlüsselroman jener Zeit besonderer Wertschätzung. Die 1905 geborene Irmgard Keun verbrachte ihre Kindheit zunächst in Berlin. Innerhalb der Stadt zog die Familie mehrfach um, bis sie 1913 nach Köln übersiedelte. Keun besuchte zunächst

Weiterlesen

Elizabeth von Arnim (31. August 1866 – 9. Februar 1941), wurde als Mary Annette Beauchamp in Australien in sehr wohlhabenden Verhältnissen geboren und heiratete einen deutschen Aristokraten, und ihre frühesten Werke spielen in Deutschland. Das Paar lebte zunächst in Berlin, dann auf dem pommerschen Landsitz Nassenheide, dem alten Rittergut der Familie von Arnim. Ihre erste

Weiterlesen