O gib vom weichen Pfühle,
Träumend, ein halb Gehör!
Bei meinem Saitenspiele
Schlafe! was willst du mehr?
So lauten die erste Strophe von Goethes Gedicht „Nachtgesang“. Der Dichter war Freunden zufolge ein Schläfer von hohen Gnaden, wobei ihm sein Hauswein womöglich ab und zu zur nötigen Bettschwere verhalf. Die Bedeutung des Schlafes für die seelische und körperliche Gesundheit steht außer Frage. Daher stellt sich die Frage, warum um Himmels Willen wir uns seit Jahrzehnten der Qual der Zeitumstellungen im Frühling und Herbst unterwerfen, für die es keine Mehrheit in der Bevölkerung gibt. Kinder werden in aller Frühe aus dem Schlaf gerissen, selbst Erwachsene brauchen mindestens eine Woche, bis sie sich umgestellt haben. Niemand will das. Anscheinend ist es aber wie beim Gendern, das vom Gros der Bevölkerung abgelehnt wird, aber mit Zwangsgeldern der GEZ finanziert von ARD und ZDF unbeirrt praktiziert wird. Wen interessieren schon Mehrheiten, wenn es um die Ideologie geht…

Wieviel Schlaf ist nötig?
Das ist indes keine ganz einfache Frage. Genau wenig wie etwa bei den Themen „Gewicht“ oder „Ernährung“ gibt es hier kein Maß, das für alle gilt. Es gibt Menschen, die wenig Schlaf brauchen und andere, die nicht aus den Federn kommen. Ein ganz berühmter Kurzschläfer war Napoleon, der mit vier Stunden pro Nacht auskam, wobei er nicht einmal diese immer erholsam durchschlief. Er legte sich abends schlafen und geisterte schon in den frühen Morgenstunden wieder herum. So heißt es im Original:
„Napoléon s’était couché la veille, après 10 heures du soir, ayant écrit un message à Grouchy à cette heure-là. Mais il s’était levé à deux heures du matin et ne s’était pas recouché depuis. Il n’avait donc pas eu plus de quatre heures de sommeil, et plutôt un peu moins.“ (Napoleon legte sich um 10 Uhr abends aufs Ohr, nachdem er eine Nachricht an Grouchy geschrieben hatte. Aber er war um 2 Uhr morgens schon wieder auf und legte sich danach nicht wieder hin. Er hatte also nicht mehr als vier Stunden Schlaf, eher etwas weniger)(Quelle: Le Quotidien)
Auch Winston Churchill kam angeblich mit nur fünf Stunden Schlaf bestens zurecht, wobei man sich fragen kann, ob seine diversen Gläser Whisky beim Aufwachen bereits neutralisiert waren.

Bekannte und bekennende Langschläfer
Dagegen verkörpert Albert Einstein das andere Extrem, er soll locker 12 Stunden geschlafen haben. Dazu kommt, dass zumindest in unseren Breiten das Schlafbedürfnis von der Jahreszeit abhängt, im Winter länger, im Sommer kürzer. Ein anderer Aspekt ist die Schlafzeit: sind es acht Stunden am Stück, oder wird der (verkürzte) Nachtschlaf durch eine mittägliche Siesta ergänzt? Diese Sitte der Mittelmeerländer wird auch dort im Zuge der Anbetung von Leistung und Arbeit immer mehr zurückgedrängt. Ein Urgestein wie Jorge Luis Borges hingegen erklärte in seinem letzten Interview, er halte täglich eine Siesta von einer dreiviertel Stunde. Es gab Leute wie Borges, die das Nachthemd oder den Pyjama anziehen, wenn sie sich der Siesta hingeben. Als ich Anfang der achtziger Jahre als Student in Salamanca war, konnte man sich zwischen 14.00 und 17.00 Uhr zwischen hochgeklappten Bürgersteigen durch die Hitze der Stadt schleppen, alles dicht. Selbst die Hunde lagen träge im Schatten und waren zu faul zum Bellen.

Von Lerchen und Nachteulen
Dann kennt man die beiden Schlaftypen: die Lerche und die Nachteule. Bekanntlich werden diese beiden, unter denen es zahlreiche Übergangsformen gibt, ganz unterschiedlich beurteilt: Während die Frühaussteher ganz allgemein als wegen ihrer „Disziplin“ bewundert werden, haftet den Nachtmenschen der Nimbus des Faulenzers an, da nur dem Frühaufsteher und Kurzschläfer Leistungsbereitschaft attestiert wird. Geprägt wurde diese Einstellung im Kern bereits im Christentum, radikal verwirklicht in den Klöstern des Mittelalters, wo Schlafentzug und Frühaufstehen als Verfahren angesehen wurde, Gott näher zu kommen. Diese Auffassung gründete sich vor allem auf eine Stelle im Matthäusevangelium, wo es heißt: „Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ (Matth. 26,41)

Die Vergötzung des Frühaufstehens in Deutschland
Auch im säkularen 21. Jahrhundert scheint diese Devise noch zu gelten, zumindest hierzulande: Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen das Frühaufstehen geradezu sakrale Verehrung genießt und wo die Kinder um halb sechs morgens aus dem Schlaf gerissen werden, damit sie um acht Uhr übermüde und mit glasigen Augen auf der Schulbank mit ihren Tagträumen kämpfen. So ging es mir zumindest, einer bekennenden Nachteule: Die Schule war gerade noch zu bewältigen, die Militärzeit ein Alptraum, mitnichten der Drill, sondern die Trillerpfeife in aller Herrgottsfrühe, „Kompanie, aufstehen!“ Die mönchische Tradition der Selbstkasteiung, Ernsthaftigkeit und des Verzichts sind seit Luthers protestantischem Umbau ein Kulturdenkmal hierzulande geworden.

Jahreszeiten und Schlafdauer
Dabei ist die kurze Nachtruhe, zumindest in der dunklen Jahreszeit, eine Erscheinung der Moderne: vor der Zeit des elektrischen Lichtes war der ausgedehnte „Winterschlaf“ nicht nur auf dem Land weit verbreitet; bald nach Eintreten der Dunkelheit suchte man die Schlafkammern auf, todmüde nach dem Tagwerk, und Zerstreuungen kannte man ohnehin nicht auf dem Lande: kein Radio, Fernsehen oder Internet, und Lesen konnte längst nicht jeder, zumal Lampenöl recht teuer war. Dafür musste man im Sommer in aller Frühe aus den Federn.

Im Sommer kürzer, im Winter länger
Mit anderen Worten: Die Schlafdauer war von der Jahreszeit abhängig, wie das Leben an sich: Man hatte eben keine Äpfel an Ostern oder Tomaten zu Weihnachten, sondern überbrückte die karge Zeit zwischen Pflanzen und Ernten mit der Vitaminbombe Sauerkraut, das in allen Variationen, roh und gekocht, gegessen wurde. So habe ich es zumindest als Kind auf dem Hof meiner Großmutter noch erlebt. Im Winter wurde eben länger, im Sommer kürzer geschlafen, weil die Sommerabende noch genutzt wurden. In Omas riesiger Bauernküche standen zwei Sofas, auf denen mein Vater und mein Onkel nach der Mittagessen aber immer ihre halbe Stunde „Andacht für die Gefallenen“ hielten…

Schlafen und Lebensalter
Aus einer ganz anderen Ecke wird diese Frage beleuchtet, wenn es um das Thema „Schlafen und Lebensalter“ geht. Neugeborene schlafen wie die Murmeltiere, jenseits der 60 heißt es dann, das Schlafbedürfnis gehe mehr und mehr zurück. Brauchen wir mit 60 Plus tatsächlich weniger Schlaf? Womöglich lautet die Antwort: „Nein, nur anders verteilt.“ Für viele ist die tägliche Siesta im Ruhestand ein Zeichen höchster Lebensqualität. Mit Hilfe dieser Zäsur am Mittag startet man zweimal in den Tag und kommt dabei leicht auf mehr als 8 Stunden, wobei der Sommerschlaf – der Garten ruft! –wie in alten Zeiten stets kürzer als der Winterschlaf ist.

Das Schlafbedürfnis ist individuell verschieden
Vermutlich ist es so, dass Menschen, die schon in jungen Jahren ein hohes Schlafbedürfnis hatten, auch im höheren Alter diese Eigenart beibehalten. Kurzschläfer sind da anders getaktet, wobei sich die Frage stellt, ob das frühe Aufstehen weniger ein Bedürfnis als vielmehr eine Folge jahrzehntelanger Gewohnheit ist, die man im Ruhestand getrost ablegen kann, es sei denn, man möchte sich und anderen die eigene „Leistungsbereitschaft“ unter Beweis stellen. Daher sollte man sich nicht kasteien, indem man sich eine kurze Nachtruhe gönnt. Diejenigen aber, die einfach ein geringeres Schlafbedürfnis jenseits der 60 verspüren, sollten ihrem inneren Drang nachgeben: wer sich nach 5-6 Stunden frisch und ausgeruht fühlt, der springe eben mit Elan aus dem Bett! Es gibt eben keinen „Normalschlaf“, genauso wenig, wie es einen Durchschnittsmenschen gibt.

Studien sind mit Vorsicht zu genießen
Und am allerwenigsten sollte man sich von Behauptungen schrecken lassen, es sei ein Zusammenhang zwischen langer Schlafdauer und Demenz möglich. In einer Studie mit der ungewöhnlich langen Nachbeobachtungszeit von 25 Jahren kam nämlich Gegenteiliges zutage, dass nämlich eher Menschen mit verkürzter Schlafdauer ein gewisses Risiko tragen: „Außerdem wurden die Teilnehmer nicht nur ein Mal, sondern über die Jahre immer wieder befragt, so dass wechselnde Schlafgewohnheiten berücksichtigt werden konnten. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie zwischen 35 und 55 Jahre alt. Inzwischen haben sie ein Alter von 63 bis 86 Jahren erreicht. In dieser Zeit wurde bei 521 Teilnehmern eine Demenz diagnostiziert. Die Angestellten, die im Alter von 50 Jahren eine Schlafdauer von weniger als 6 Stunden angegeben hatten, waren zu 22 % häufiger erkrankt.“ Diese Studie ist vor allem deswegen bedeutsam, weil auch andere Faktoren in der Befragung berücksichtigt wurden, wie etwa Rauchen, Alkohol, Gewicht, Sport, Ernährung oder Vorerkrankungen.
(Quelle: Ärzteblatt)

Keine zweifelsfreien Nachweise
Allerdings sollte man sich vor voreiligen Schlüssen hüten. Diejenigen in der Studie, die stets zu kurzen Schlafzeiten neigten, zeigten zwar ein erhöhtes Risiko für Demenzkrankheiten – und zwar unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Herz- und Stoffwechselerkrankungen oder psychischen Erkrankungen. „Die Studie weist jedoch nicht zweifelsfrei nach, dass zu wenig Schlag das Demenzrisiko erhöht. Statt einer Kausalität konnte die Studie lediglich eine Korrelation von wenig Schlaf und Demenz nachweisen. Das könnte jedoch auch damit zusammenhängen, dass kurzer Nachtschlaf eines der frühen Symptome von Demenzkrankheiten sein kann.“
(Quelle: Panorama)

Den Schlaf fördern
Im obengenannten Artikel kommen jedoch auch Forscher zu Wort, die das Ergebnis der Studie anders deuten, so die Neurologin Liz Coulthard: „Es stärkt den Beweis, dass schlechter Schlaf im mittleren Alter Demenz im späteren Leben verursachen oder verschlimmern kann.“ Sie fügt an: „Es ist sinnvoll, Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafes zu ergreifen, zum Beispiel bei Tageslicht nach draußen zu gehen, um den natürlichen Rhythmus aufrechtzuerhalten, der einen guten Schlaf fördert, übermäßigen Alkohol- oder Koffeinkonsum zu vermeiden, insbesondere vor dem Schlafengehen, und eine für Sie geeignete Schlafenszeitroutine zu finden.“

Ein geringeres Schlafbedürfnis hat meist nichts zu bedeuten
Bei alledem könnte einem schon etwas mulmig werden, doch in den allwenigsten Fällen scheint ein ernster Grund vorzuliegen, wenn man auf die alten Tage einfach weniger Schlaf benötigt. Da eine Demenzerkrankung oft schleichend beginnt, zuweilen über 20 Jahren ohne größere Störungen im Alltagsleben, könnte verkürzter Schlaf im Einzelfall ein Anzeichen einer beginnenden Erkrankung sein, muss es aber nicht. Bevor man zur Selbstdiagnose im Internet wühlt und erst recht durchdreht: erst einmal ärztlich abklären lassen. Außerdem sollte man sich unbedingt vor Augen halten, dass Altersdemenz nicht der Normalfall, sondern immer noch die Ausnahme ist!

Kein Grund zur Beunruhigung
Nach Auskunft der Deutschen Alzheimer Gesellschaft liegt der prozentuale Anteil von Demenzerkrankungen im Alter 65 Plus bei insgesamt 8,6 %. Erst ab einem Lebensalter von 85 Plus erhöht sich der Anteil deutlich, wobei der Anteil der betroffenen Frauen höher als der der Männer liegt, was wohl mit der höheren Lebenserwartung von Frauen erklärt werden kann, Selbst in einem Alter von über 90 Jahren sind die Demenzkranken immer noch in der Minderheit!
(Quelle: Alzeimer-Gesellschaft)

Fazit:
Man schlafe so, wie es einem gut tut. Das Schlafbedürfnis ist von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich, der eine Lang-, der andere Kurzschläfer, die eine Lerche, die andere eine Nachteule. Wer das Glück hat, den Ruhestand zu genießen, der genieße die kleinen Freuden einer mittäglichen Siesta- wer es mag. Nur eines ist womöglich kein guter Einfall: mit Schlafmitteln nachzuhelfen, weil man meint, man müsse unbedingt auf eine bestimmte Schlafzeit kommen. Hier ist eine Beratung in der Arztpraxis oder in der Apotheke mit Sicherheit der richtige Weg, um Schlafprobleme ohne bunte Pillen in den Griff zu bekommen.

Bitte beachten:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch keinesfalls ersetzen.

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Über den Autor ANAKREON

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